Sonntagskontrolle

 10. Juli 2007 •  Ekkart •  Motorrad, Verkehr •  Berlin, Rauhe Sitten

Hab’ ich ein Glück, dass ich Sonntag nicht unterwegs war. Manchmal klappt’s halt.

Motorrad-Kontrollen - Bilanz

Jeder fünfte Motorradfahrer bzw. dessen Fahrzeug musste gestern bei intensiven Verkehrskontrollen der Berliner Polizei beanstandet werden. Im Rahmen einer stadtweiten Schwerpunktaktion überprüften die Beamten insgesamt 1.905 Motorräder aller Größenordnung.

Im vergangenen Jahr nahm die Zahl der Verkehrsunfälle, an denen Motorradfahrer beteiligt waren, zu, 16 von ihnen verloren dabei ihr Leben. In diesem Jahr scheint sich dieser negative Trend fortzusetzen.

Bei den Kontrollen richteten die Beamten ihr Augenmerk insbesondere auf die Einhaltung zulässiger Höchstgeschwindigkeiten und das Verhalten bei Fahrstreifenwechseln und Überholmanövern. Eine Vielzahl von zivilen Streifen- und Videofahrzeugen überwachten dazu ganztägig vorrangig die beliebten Ausflugsstrecken und Autobahnen. Sie ergänzten dadurch die zahlreichen Radar- und Laserkontrollstellen im Stadtgebiet, an denen Fahrzeugführer stets sofort angehalten wurden. Neben der umfänglichen verkehrsrechtlichen Überprüfung der Fahrer und Fahrzeuge sind die Motorradfahrer durch Verkehrssicherheitsberater mit diversen Informationsbroschüren für die besonderen Gefahren des Motorradfahrens sensibilisiert worden. In der Öffentlichkeit stieß insbesondere der Einsatz eines Rollenprüfstandes und eines Phonmessgerätes zur Feststellung von Geschwindigkeiten und Geräuschpegeln auf Interesse.

In 398 Fällen mussten Verstöße mit Verwarnungsgeldern oder Ordnungswidrigkeitenanzeigen geahndet werden. 215 Fahrer waren zum Teil mit deutlich überhöhten Geschwindigkeiten unterwegs, 22 weitere unterschritten vorgeschriebene Sicherheitsabstände oder gefährdeten sich und andere bei Fahrstreifenwechseln oder Überholvorgängen. Vier Fahrer standen unter dem Einfluss von Alkohol oder Drogen. In 20 Fällen mussten Strafanzeigen wegen Fahrens ohne Fahrerlaubnis gefertigt werden.

Überprüft wurde auch der technische Zustand der Fahrzeuge. Neben 73 Mängelberichten mussten zehn Zweiräder wegen Verdachts der Verkehrsunsicherheit bzw. Leistungssteigerung zur Gutachtenerstellung sichergestellt werden. Erstaunlich war, dass 22 Personen ohne den vorgeschrieben Helm unterwegs waren.

Nachfolgend werden beispielhaft einige besonders gravierende Feststellungen genannt:

  • Ein 29-jähriger Mann befuhr die Falkenseer Chaussee in Spandau, wo höchstens 50 km/h gefahren werden dürfen, mit 126 km/h.
  • Im Grunertunnel in Mitte (max. 50 km/h) war ein Motorradfahrer mit 93 km/h unterwegs, obwohl die Fahrbahn regennasser war.
  • Trotz erheblichen Verkehrsaufkommens fuhr ein 42-jähriger Fahrer auf dem Tempelhofer Damm am Nachmittag 126 km/h.
  • Ein Leichtkraftrad fiel den nachfahrenden Beamten gegen 19 Uhr auf der BAB A 113 dadurch auf, dass es mit 120 km/h deutlich schneller war, als es technisch eigentlich sein dürfte. Wegen des Verdachts der Manipulation zur Leistungssteigerung wurde es zur Gutachtenerstellung sichergestellt.
  • Überheblich zeigte ein 27-Jähriger in der Rhinstraße in Marzahn ebenfalls gegen 19 Uhr bei der schnellen Vorbeifahrt an einem Radarfahrzeug der Besatzung den ausgestreckten Mittelfinger. Eine Anzeige wegen Beleidigung ist die Folge. Ein 25-jähriger Fahrer eines “Opel Corsa” wollte sich in der Bismarckstraße in Charlottenburg einer Verkehrskontrolle durch ein Wendemanöver über den Mittelstreifen entziehen. Den Grund fanden die Beamten bei der Überprüfung schnell heraus: Er hat keinen Führerschein, war nicht angeschnallt und sein zweijähriger Sohn saß ohne jegliche Sicherung auf dem Beifahrersitz. Zusätzlich sind die Eigentumsverhältnisse unklar, weshalb der “Opel” sichergestellt wurde.