Masters of the Universe – ich kenne die Zeichentrickserie aus den 80ern vom Umschalten. Auch den Lundgren-Film von 1987 habe ich nie vollständig gesehen.
Der Trailer sah ok aus, etwas albern. Die Kritiken waren gut bis besser: gute Umsetzung, spaßiger Film.
Spoiler.
Wir starten mit der Geschichte von Eternia, erzählt von Prinz Adam. Dort dreht sich alles nur drum, ein richtiger männlicher Mann zu sein, was er mit 8 oder 9 halt noch nicht ist. Skeletor greift an, die männlichen Männer versagen und Adam wird von der Zauberin auf die Erde geschickt, bevor er ergriffen werden kann. Dabei hat er das Sword of Power (keine Ahnung, wie das auf Deutsch heißt. Schwert der Macht?) mitgenommen, aber verloren. Jetzt sucht er seit 15 Jahren danach, während Skeletor seine Heimat versklavt und verwüstet.
Er findet das Schwert in einem Comicladen, dann finden ihn das Beast und Teela, nachdem er wegen Diebstahl des Schwerts von der Polizei mitgenommen wurde. Kurze Actionsequenz, dann geht es zurück nach Eternia. Dort treffen sie auf die aktuelle Rebellion, Adam muss schauen, ob sie ihm helfen. Da er ein Volltrottel ist, ist das kein Selbstläufer. Der männliche Mann (Teelas Vater) ist ein Säufer geworden. Außerdem haben Teela und er Skeletors Leute zum Versteck geführt.
Schlacht, Gemetzel, Flucht. Flucht in einem Flugdings, starke Star-Wars-Vibes inklusive Speeder-Bikes und Verfolgung im Wald. Ohne Ewoks, dafür mit anderen seltsamen Gestalten. Diese werden alle umgebracht, teils recht brutal.
Dann auf zu Skeletors Festung Snake Mountain (weil Adam ein Volltrottel ist und jetzt auch noch ein männlicher Mann werden will), dann viele Kämpfe. Sehr viele Kämpfe. Mit sprechender grüner Tigerin. Und sprechender Kampfroboterin.
Happy-End.
Fangen wir mit dem Positiven an: der Film sieht ordentlich aus. Die Effekte sind gut, die Kamera stimmt, da gibt es wenig auszusetzen. Die Laufzeit ist mit 2 Stunden 20 Minuten lang, hat mich aber nicht so sehr gestört (weil man im Heimkino die Pausetaste hat).
Kommen wir zum Ambivalenten: Adam ist, wie oben erwähnt, ein Volltrottel. Das führt zu vielen, sehr vielen Witzen und Gags. In seinen guten Momenten ist der Humor auch gelungen, ich hab öfter als erwartet gelacht. Beispielsweise wenn Skeletor so vor sich hinlacht. Oder Adam erzählt, dass sein Superheldenname He-Man sein wird. Das Cameo von Dolph Lundgren war auch gelungen.
Leider hat der Film auch viele nicht so gute Momente, da isser dann leider einfach nur platt. Was weniger an Nicholas Galitzine liegt, er macht das als Schauspieler ordentlich. Aber was willste aus lustigen Fisting- und Blasewitzen rausholen? Eieiei.
Adam ist damit eine mal-so/mal-so-Figur. Alle anderen Figuren bleiben blass.
Auch Teela, die eigentlich recht gut charakterisiert ist. Bad-Ass, ohne direkt für Adam zu schmachten. Camila Mendes bringt das gut rüber. Sie bleibt dennoch eine Nebenfigur.
Manche andere Nebenfiguren bekommen zwar ebenfalls mehr Screentime, aber Duncan, Skeletor oder Evil-Lyn dürfen trotzdem nicht viel draus machen, außer in Klischees zu versinken. Dabei wäre die Beziehung zwischen Skeletor und Evil-Lyn tatsächlich interessant gewesen. Skeletor selbst hat auch gute Ansätze, muss dann aber dem Popcorn weichen. Die Roboterin: die ist cool, wird vergessen, dann ist sie wieder da, dann zerstört und am Ende muss sie wieder auf Pimmelwitz-Niveau kalauern.
Was mich ebenfalls gestört hat: die Art und Weise, wie Leute umgebracht werden, ist zu locker. Tode, die uns etwas angehen sollen, werden weggewischt ebenso wie die Unmengen von Bösen, bei denen noch ein lustiger Spruch gerissen wird. Ich kann halt nicht als schlimm markieren, wenn Skeletor Moss-Man umbringt und dann gut finden, wenn Adam und Gruppe alle anderen auf “lustige” Art töten. Gerade die Slapstickeinlagen beim Kampf von Adam – es passt einfach nicht. Da fehlt mir ein einheitlicher Ton.
Und die Klischees im Film. Der männliche Mann, der fünfzehn Jahre Trinken muss, um sein Versagen zu vergessen, sofort nüchtern wird und endlich wieder töten kann. Die Rebellion, die sehr gut gemeinsam seit fünfzehn Jahren gegen Skeletor arbeitet, dann von Adam gesagt bekommt, dass sie ja zusammenarbeiten könnten, und dann feststellt: ja, das könnten wir mal tun. WTF? Die lustigen Spitznamen, die Adam für die Leute hat.
Insgesamt ist das nicht so, dass der Film dadurch schlechter wird, als er gedacht ist. Denn er ist als Popcornkino mit viel Fanservice gedacht, der frei sein will, herumzualbern und seine Figuren nicht zu ernst zu nehmen. Er wird dadurch allerdings schlechter, als er sein könnte, denn ein wenig Niveauregulierung sowie mehr Freiraum für die Nebenfiguren und er wäre ein wirklich guter Film. Sehr viel vertanes Potential.
Fazit: Popcorn, verregneter Sonntag, Albernheitstoleranz hochschrauben – dann entsteht durchaus Spaß.