Azrael zeigt uns eine Welt, in der nicht gesprochen wird. Auch menschliche Geräusche sind rar, außer von den Zombies (die ich mal so nenne, ist nicht klar, was sie genau sind, ist auch egal für die Geschichte).
Spoiler.
Wir beginnen direkt mit Samara Weaving (die titelgebende Azrael, deren Name jedoch nicht genannt wird, von wem auch, redet ja niemand), die durch einen nicht sehr dichten Wald läuft. Ihre Begleitung, offensichtlich ihr Liebhaber/Mann/Gefährte, hat ein Feuer gemacht, das sie hektisch zertritt.
Ein unheimliches Pfeifen ertönt, dann kommen vier andere Personen, jagen und fangen sie.
Bis hierher und auch später erklärt der Film nix. Wir schauen einfach zu, was passiert, daher ist unklar, wer wer ist, was die Leute vorhaben, was als nächstes passiert. Das ist sehr gut.
Die Beiden werden getrennt, Azrael an einen Stuhl mitten im Wald gefesselt. Sie wird angeschnitten, so dass Blut fließt. Jetzt wird auf das Monster gewartet, dass sich durch Rauschen und Brüllen ankündigt.
Etliche Verwicklungen später haben wir die Monster kennengelernt: Zombies, die Leute auffressen. Azrael ist wieder frei, einer ihrer Fänger ist tot. Sie schleppt sich durch den Wald, muss Zombies ausweichen, wird immer matter.
Ziel ist der Unterschlupf der Fänger, eine krude Ansammlung von zeltartigen Unterkünften mit einer Holzkirche. Azraels Kumpel ist nicht mehr da, sie geht weiter durch das “Dorf”, wird fast gefangen.
Dadurch, dass nichts erklärt wird, ist unklar, warum Azrael tut, was sie tut, das erschließt sich tatsächlich erst im Nachhinein durch die Ergebnisse ihrer Handlungen. Das ist erstaunlich interessant und frustrierend zugleich, da z.B. das Eindringen in das Dorf logisch sehr unklug ist, bis man erkennt, worum es Azrael geht.
Wir treffen auf einen sprechenden Menschen, der Azrael helfen will. Hier wird klar, dass es Technik außerhalb des Walds gibt, dass es sprechende Menschen gibt und Azrael die Stimmbänder entfernt wurden. Es wird auch klar, dass es Gewehre gibt und sehr wenig Leute überleben werden.
Azrael wird wieder gefangen und diesmal begraben. Mit einem Tunnel zu den Zombie, eine Begegnung ist unvermeidlich. Diese überlebend habend, geht der Rachefeldzug los.
Sehr unerbittlich. Bis zur Hohepriesterin, die eine unangenehme Überraschung bereit hat.
Mir hat der Film sehr gut gefallen. Man muss sich auf die Erzählweise einlassen: Der Film erklärt nichts, sondern zeigt.
Alle Handlungen, Inhalte, Motivationen muss man sich selbst erschließen. Diese sind im Nachhinein nicht kompliziert zu verstehen, muss auch nicht.
Das Ausmaß dessen, was wir sehen, bleibt unklar. Ist nur eine kleine Gemeinschaft abgerutscht und außerhalb ist normales Leben? Was genau sind die Zombies? Haben sie einen Plan?
Das ist gut. Der Film lebt von der Unwissenheit der Zuschauer:innen.
Samara Weaving ist stark in ihrer Rolle. Meist muss sie nur grimmig gucken, aber das kann sie. Aber nicht nur, und die Emotionen der Figur überträgt sie durch ihre Mimik und Gestik sehr präzise.
Die anderen Figuren bleiben storytechnisch blass, sind ok besetzt. Der Film ist angenehm kurz, die Geschichte wird erzählt, nicht mehr, nicht weniger.
Ach ja: der Film ist durchaus brutal, wenn es sein muss. Da wird nix beschönigt, wer stirbt, stirbt hart.
Wer mit dieser speziellen Erzählweise was anfangen kann, hat einen interessanten Filmabend vor sich.
Fazit: Interessanter Ansatz, gut erzählt, gute Schauspielerin.